Die alten Nägel der Nagelschmiede

Die Lehrzeit eines Nagelschmieds betrug in der Regel drei Jahre, die sich anschließende Geselle (nzeit zwei bis vier Jahre und diese wurden meist als Wanderjahre absolviert. 

Ein geschickter Nagelschmied erbrachte ein Tagespensum von so um 2000 Schuhnägeln. Für einen Nagel waren – je nach Nagelsorte – 15 bis 60 Schläge erforderlich, für beispielsweise große Schiffsnägel auch wesentlich mehr.

Und jetzt, wir schreiben das Jahr 1884 und staunen über die Industrialisierung an der Landesausstellung in Zürich. Wie im damaligen Appenzeller-Kalender nachzulesen ist; Im Ingenieurwesen kann sich kaum ein anderes Land mit der Schweiz messen, denn die Natur forder immer zum harten Kampfe auf. In der Halle stehen Dampfmaschinen, Walzmüllerei, Wasserräder, Werkzeugmaschinen und Maschinen für Papier ohne Ende. Alle Hochachtung vor der Maschinenindustrie. Da rasselt es in den Hallen wenn die Maschinen in Gang gesetzt werden. Von den Besuchern viel umstanden ist die Nagelmaschine welche in der Stunde 3‘600 Nägel fix und fertig herstellt, also in einem Arbeitstag von 12 Stunden 43‘200 Nägel so viel als früher 19 Arbeiter gemacht haben. (man beachte 12 Stunden pro Tag)

Da steigt freilich manchem Zuschauer bei dieser Maschine die Frage auf: Wo bleiben jene 19 Nagelschmiede die fleissigen und geübten Handwerker, wo bleibt übrigens das Kleinhandwerk? Das ist freilich eine schwere Frage, leichter gestellt als beantwortet ist. 

Das war der Anfang der Industrialisierung und nicht einmal sind 200 Jahre vergangen stellen wir uns wieder ähnliche Fragen; Was machen die Verkäuferinnen in den Läden und wo bleiben die kleinen Geschäfte ob all dem Internet. Was kommt nachher?


Die Puppe Christine

Puppen haben wir viele im Heimatmuseum. Aber hinter der Puppe Christine ist eine spezielle Geschichte erhalten geblieben und diese könnte stellvertretend für die vielen anderen Puppen da stehen. Diese Puppe ist von Marie Schneider aus Hessenreuti auserkoren worden im Museum weiter zu leben. Als klein Marieli ihre Christine bekam war sie noch ein Kind und jetzt im hohen Alter von 90 Jahre wollte sie die Puppe in den guten Händen des Pöstlers Willi Etter wissen, denn Marie ist zu ihrer Tochter nach Bern umgezogen. Darum hat sie Christine im Oktober 1978 ins Museum gebracht. 

Unser Vater, der Museumsgründer erzählte: „Ich weiss noch wie sie mit Tränen in den Augen mir Christine übergeben hat und meinte; jetzt muss ich mich von Christine verabschieden, denn die Tochter hat in Bern nur eine kleine Wohnung und ich möchte meine Christine in guten Händen wissen. Ich gebe dir gleich die Schachtel mit all ihren Kleidern mit, so wie ich diese über alle Jahre aufbewahrt habe. Behüte diese gut und gebe ihr einen guten Platz, denn Christine hat es verdient“.

Das war die Vorgeschichte, die Willi Etter immer wieder gerne jedem Interessierten erzählte. Diese Anektote hat er auch einem jungen Journalisten, welcher über Heimat-museen einen Artikel schreiben wollte, erzählt. Die Geschichte hat den Journalisten überzeugt, dass man auch über so eine Puppe einen Artikel schreiben kann und dieser wurde in der Berner Zeitung veröffentlicht.

Die Freude von Marie Schneider war riesengross und sie war stolz, dass ihre Puppe sogar einen Zeitungsartikel wert war. Leider hat man es damals versäumt den Artikel auszuschneiden und aufzubewahren.

 


Krebsenstein-Storry

Wenn unser Vater ein kleines Schächtelchen oder sonst einen Gegenstand gesehen hat, so hat er dies aufbewahrt und gehofft, dass irgendjemand den entsprechenden Gegenstand kennt. Auch die Schachtel mit den Krebsensteinen hat er jedem Besuch gezeigt und er hat einfach wieder gefragt bis eines Tages eine Frau aus dem Bernbiet ihm mitgeteilt hat: „Ja Härr Etter das si Kräbsesteini“.

 

(Krebsensteine sind Panzer von kleinen Flusskrebsen).

Hatte eine Person einen Fremdkörper im Auge und konnten diesen nicht loswerden, klemmte ihm der Bader einen Krebsenstein unter das Augenlid. Dadurch wurde das Auge gereizt und entwickelte Tränenflüssigkeit. Mit genügend Tränenfluss wurde der Fremdkörper aus dem Auge gespühlt.

 


Unser Vater sammelte Alles und Überall

Metallklammer, Zange, Schraubzwinge oder doch ein Schraubstock? Der alte Schraubstock, welchen wir im Keller des Schwizerhüsli im Rorschacherberg ausgegraben haben, ist von allem ein wenig. Ähnlich wie ein Klemmbock, schliesst aber nicht parallel wie ein normaler Schraubstock. Für eine Zange ist er sicher zu schwer. Unter einer Metallklammer verstehen wir doch etwas Kleineres, aber eine Rarität ist der Schmiedeschraubstock sicher. Warum er im Keller einer alten Milchablagestelle gestanden hat, hat der Vorbesitzer ins Grab mitgenommen. 

Als unser Vater diesen in unserem Keller gesehen hat, war er der Meinung, dass der zu alt, zu wertvoll und für meinen Gebrauch so unpassend sei, dass er diesen gleich mitnehmen werde und fürs Museum reinige. Er hatte recht, denn der Schraubstock ist jetzt am richtigen Ort und der hält nochmals einige hundert Jahre.

Bei den meisten Schmiedeschraubstöcken ist die Führung der beweglichen Backen durch einen fixen Drehpunkt verbunden. Somit stehen die Backen im offenen Zustand nicht parallel zueinander. Deshalb wird das Werkstück nicht über die ganzen Backenflächen gespannt, was ein wenig unlogisch anmutet. Aber durch diese Konstruktion sind zusätzlich Rundungen und Kanten vorhanden, und dies erleichtert die Biegearbeiten des Schmiedes. Die Schmiedeschraubstöcke sind wohl am Tisch angemacht, aber sie stehen auf dem Boden, und leiten die Kraft direkt in den Boden.

 

 


Die spezielle Mauskanone

Unter den Mausefallen gibt es ganz spezielle Exemplare, bei denen man fast sagen möchte, man schiesst mit Kanonen auf Spatzen, aber diesmal auf Mäuse.

 

Ich möchte euch aber die lustige und nie vergessene Geschichte der Mausefalle erzählen. 

 

Unsere Mutter (Hanni Etter) war kein Freund unseres Museums, denn das Museum war in Ihren Augen eine Geldvernichtungsmaschine, welcher vom Papa (Willi Etter) stark angetrieben wurde, und das zu einer Zeit, als wir und auch die meisten anderen kein Geld hatten.

Wenn Papa wieder etwas Neues gefunden hat, war er sporadisch darauf bedacht, dass das Mama auch gefallen könnte. Für Mama musste es aber technisch interessant und sinnvoll sein. Und eine Mausefalle, welche die Mäuse erschiesst, war sicher etwas, das Mama interessierten könnte, so meinte es jedenfalls Papa. 

Der Schussapparat war fertig und auch mit einer Patrone gefüllt. Papa hat die Munition aber sicherheitshalber abgeändert, und anstelle von Schrotkugeln ein nasses hart gepresstes Fliessblatt in die Patrone gestopft. Die abgeänderte Munition wird in den Lauf gelegt, der Hahn gespannt und mit dem Draht gesichert, bereit zur Vorführung in die Küche.

Also Hanni, so sprach unser Papa: Wenn die Maus vorne Erde vor sich herschiebt oder aus dem Loch will, dann kommt sie am Draht vorbei und löst so den Auslöser und dann geht der Schuss los. Genau - so wie ich mit dem Finger zeige, so drückt die Maus vorne auf den Draht, und der Entriegelungs- Mechanismus wird hier ausgelöst. 

Plötzlich ein lauter Knall, und schon hat das noch feuchte Löschblatt am Kühlschrank geklebt. Der Rauch in der Küche hat sich verzogen, Mama war bleich und konnte nichts sagen und Papa hat auch besser geschwiegen. Die restlichen Reservepatronen mussten sofort entfernt werden aber die Mausefalle konnte im Museum bleiben